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Seite 1 von 2 Fahrtentagebuch Island 2002
Die Fahrt nach Island hatte prinzipiell 3 Hauptziele. Wie bei jeder Fahrt wollten
wir natürlich das Land kennenlernen und wirklich erleben. Zum zweiten hatten wir
(Andi und Heiner) uns ganz fest vorgenommen den Berg Herdubreid zu besteigen, auf
dem sich der Sage nach der Sitz der nordischen Götter befunden haben soll. Das wollten
wir natürlich überprüfen. Last but not least wollten wir uns von Island inspirieren
lassen um unser Projekt von einer bündischen Oper zuende zu bringen. Wir waren längst
nicht so weit mit dem Stück, wie wir eigentlich sein wollten und hatten leise Zweifel,
ob wir die Oper wirklich fertig stellen würden.

Tag 1, 11. Juli (München - Kevlavik)
München - Davids Postpaket ist nicht angekommen. Heiner hat keine Juja, Andi kein
Pütthemd. Heiner hat seine Fellweste (250,00 EUR) nach einer Stunde wieder umgetauscht:
20,00 EUR, Andi kauft sich ein Fischerhemd: 44,00 EUR
19:15 Uhr - Die Idee, spontan eine Igluzelt zu kaufen und die Kohtenplanen in der
Palmstraße zu lassen: unbezahlbar. Wir brechen auf.
19:58 Uhr - Heiner betritt Karstadt Sport, um das reservierte und reduzierte Igluzelt
zu kaufen.
22:00 Uhr - Abflug. Während des Fluges kauft Heiner zwei Flaschen Famous Grouse,
der "marriage of finest scotch whiskys". Die Notreserve für zwei Wochen entbehrungsreichen
Islandaufenthalts.
0:20 Uhr - Keflavik (Ortszeit, Zeitverschiebung: -2 Stunden): Ankunft auf Island.
Es ist taghell!!! Wir unterlassen es, den Boden des Flughafens zu küssen, obwohl
uns danach ist, die Geburtsstätte der germanischen Sagenwelt derart zu begrüßen.
Wir bauen das Zelt auf. Der Hügel, hinter dem wir uns verstecken wollten, ist nur
1,5m hoch. Unser räumliches Sehen hat uns einen Streich gespielt.
Zahl des Tages: 19:58 Uhr
Tag 2, 12. Juli (Kevlavik - Reykjavik - Akureyri)
10:00 Uhr - Frühstück. Wir fallen vor Davids Kocher auf die Knie. Das Ding ist goldwert.
Wir probieren nach Reykjavik zu trampen, stehen aber trotz des im Lonely Planet
empfohlenen "silly grin" verdammt lange an der Straße zwischen Flughafen und Keflavik.
Ein amerikanischer GI von der Nato-Basis nimmt uns sage und schreibe 2 (in Worten:
zwei!!!) Kilometer mit. Ein in den USA lebender Isländer bringt uns die restlichen
50 km nach Reykjavik. Erste Zweifel an der Tramperfreundlichkeit der Einheimischen
kommen auf. Dafür dürfen wir zum ersten Mal einen echten isländischen Snack testen:
Fish-Chips. Riecht wie Fischfutter, ist aber eigentlich ganz lecker. Dies erklärt
auch den penetranten Geruch im Auto...
13:30 Uhr - Ankunft in Reykjavik. Es sind noch 4 Stunden Zeit, bis uns der Bus zur
ersten Etappe nach Akureyri bringt. Reykjavik ist ein Kaff, hat aber einen Supermarkt,
der uns mit Dosenbier und Donuts versorgt. Mit dem Leichtbier (2,25 % alc.) in der
Hand geben wir uns der Vorstellung hin, richtiges Bier zu trinken. Apropos richtiges
Bier: Starkbier (5,0 %, hahaha) kann man nur in speziellen Läden kaufen, die eine
Lizenz zum Verkauf von Spirituosen besitzen!
17:30 Uhr - Abfahrt nach Akureyri. 400 Kilometer Gegend liegen vor uns. Wir erfahren
von einem DPSGler im Bus, dass ab Dienstag ein isländisches Jamboree in Akureyri
stattfinden soll. Unglaublich!!! Aus den Boxen der Fahrgastbeschallung dröhnt "Ein
bißchen Frieden" - auf isländisch!!!

0:00 Uhr - Ankunft in Akureyri. Es ist immer noch taghell. Wir finden einen Schlafplatz
mit Blick auf den Atlantik und die isländischen Berge. Praktisch, diese Fjorde...
Zu diesem herrlichen Anblick holen wir die Gitarre heraus und singen unsere persönlichen
Favoriten. Auch an diesem Tage schlafen wir mit Blick auf den Flughafen. Er ist
jedoch unauffälliger als der "Keflavik International Airport" - welch Wunder ...
Zahl des Tages: Null Stunden Nacht
Tag 3, 13. Juli (Akureyri - Reykjalid/Mývatn)
12:00 Uhr - Frühstück, Anziehen, Abbau. Zu Fuß ca. 3 km zurück in die Stadt zum
Einkaufen. Die Ausbeute: 3 Brote, 2 Äpfel, 2 Bier, 5 Donuts. Keiner will wirklich
wissen, was uns der Spaß gekostet hat. Wir gehen raus aus der Stadt und wandern
zu Fuß über den Atlantik, ca. 5 km.
15:00 Uhr - Daumen in den Wind. Nach 15 Minuten hält das erste Auto, ca. 10km Strecke,
die Konversation läuft sehr zäh. Wahrscheinlich haben wir maximal 5 Worte gewechselt.
Aussteigen, ca. 10 Minuten später hält das zweite Auto, ca. 40 km Strecke, 10 Minuten
später hält der furzende Fischer, nachdem wir einen Windschutz errichtet haben,
um uns gegen den mittlerweile beißenden Wind zu schützen. Er bringt uns sage und
schreibe 3 km weiter. Nicht viel, aber wir haben die Gelegenheit, den Godafoss (foss
= Wasserfall) aus nächster Nähe zu bestaunen. Gerade zurück an der Straße wieder
den Daumen raus. Heiner hat noch nicht mal abgeschnallt, da hält die nette Hotelfachfrau,
die aber leider nicht an einem ausführlichen Gespräch interessiert ist.

Dafür kommen wir weitere 20 km dem Ziel näher. Wir haben mittlerweile den Glauben
an das Trampen wiedererlangt. Sie läßt uns an ihrer Arbeitsstelle springen. Was,
fragen wir uns, soll dieses "Hotel" mitten in der Landschaft?!? Sei's drum. Es ergibt
sich eine längere Wartezeit, bis uns der Bus mitnimmt. Der Fahrer ist so was um
die 45 Jahre alt und das Gespräch mit ihm schwenkt zum Thema Motorräder. Auf die
Frage, was er denn fahre erhalten wir zur Antwort, dass er das nicht in der Kürze
spezifizieren könne, schließlich besitzt er 11 (!) davon. Wir haben auch nicht weiter
nachgefragt.
19:00 Uhr - Wir erreichen Reykjahlid. Leider ist bereits am zweiten Tag die Karte
beim Trampen verloren gegangen. Aber das macht nix. Wir haben ja noch den Lonely
Planet, der uns weiter bringt. Als nächstes organisieren wir eine Mitfahrt zum Herdubreid.
Nach all dem suchen wir noch einen Schlafplatz im Moor. Zu unserem Erstaunen gibt
es keine Mücken und wir haben eine sehr geruhsame Nacht.
Zahl des Tages: 11 Motorräder
Tag 4, 14. Juli (Reykjalid/Mývatn - Herdubreid)
7:00 Uhr - Aufstehen, Abbau, Aufbruch
8:00 Uhr - Der Jeep fährt vor. Zwei Stunden Fahrt zum Herdubreid (Richtung Askja
mitten durch die Missetäterwüste) liegen vor uns. Mittendrin statt nicht dabei begleiten
uns außerdem noch vier Holländer. Also vorsichtig sein beim Lästern, sie werden
jedes Wort verstehen. Die Fahrt führt uns an den Solfatarenfeldern vor den Toren
Reykjahlids vorbei, an denen wir aber leider nicht halten. Der Herdubreid ist bereits
majestätisch von der A1 aus zu sehen. Kaum zu glauben, dass es bis dort hin noch
60 km sein sollen. Dann geht es ab auf die Schotterpiste, eine "F-Strecke", das
heißt, dass diese Strecke nur mit allradgetriebenen Fahrzeugen befahren werden darf.
Wir erfahren - im wahrsten Sinne des Wortes - warum. Ein Polo wäre eine schlechte
Wahl. Zwischenstopp am Horsabraud, dem Pferdekrater, in dem die Isen die Pferde
zusammengetrieben haben. Come to ...-Country. Dann weiter durch die Lavawüsten und
insgesamt drei Flüsse. Wir überholen zwei Hardcore-Biker, die verrückt genug sind,
um die Strecke von Reykjahlid zum Herdubreid mit dem Fahrrad zurück zu legen. Eigentlich
eine gute Tagesetappe, aber bei dem Gegenwind ein sinnloses Unterfangen.
15:00 Uhr - Am Herdubreid angekommen bauen wir das Zelt auf dem echten Idafeld auf.
Ein Campingplatz, der seinen Namen aber Gott sei Dank nicht verdient hat. Es ist
eher eine Grünfläche mit Schutz- und Waschhütte. Auf Island ist alles noch sehr
der Natur überlassen. Nachdem wir uns wohnlich eingerichtet haben, tauchen auch
die Hardcore-Biker auf. Sie entpuppen sich als Rheinländer und erzählen uns, dass
sie für die Strecke zwei Tage gebraucht haben, weil sie am ersten nur 25 km in sieben
Stunden geschafft haben. Sie bringen ihren Jim Beam mit. Kostbares Gut hier draußen.
Wir klönen eine ganze Zeit und unterhalten uns über die jeweiligen Reisepläne. Heiner
ist mittlerweile von der Rezeption zurück. Seine Frage, wie man am besten auf den
Herdubreid gelangt, hat man ihm mit "mit Steigeisen und Eispickeln" beantwortet.
Ist das große Ziel gestorben, einmal von Odins Sitz aus die Welt zu betrachten?
Warten wir erst mal den nächsten Tag ab. Walter Hansen war auch ohne Ausrüstung
oben. 21:00 Uhr - Von dieser Nachricht mehr oder weniger frustriert setzen wir uns
an die Bündische Oper und schreiben zwei weitere Lieder ("Ins Ginnungagap" und "Lokis
Kinder"). Spät in der Nacht kochen wir noch eine Kleinigkeit und legen uns schlafen
nachdem wir die bisher fertig gestellten Lieder nochmals durchsingen.
Zahl des Tages: 25 km in 7 Stunden
Tag 5, 15. Juli (Herdubreid)
10:00 Uhr - Aufstehen, frühstücken, DUSCHEN - welch ein Luxus!
11:20 Uhr - Wir tanken Wasser auf (für jeden eine 0,7 l Feldflasche) und machen
uns frohen Mutes auf, um den Herdubreid hoch zu wandern. Wir sind gut ausgerüstet,
wir haben Wanderschuhe an und unsere Ponchos dabei, die wir leider auch schon bald
brauchen da es ein bisschen zu regnen beginnt.
12:20 Uhr - Nachdem wir beide zum zweiten Mal aus der ersten Feldflasche getrunken
haben und diese dann halb leer/halb voll ist kommen uns erste Zweifel ob das Wasser
für diesen Trip richtig kalkuliert ist. Laut Reiseführer braucht man für die Besteigung
ca. sechs Stunden - wenn man erstmal am Aufstieg ist.
13:20 Uhr - Nach kurzer Überlegung entschließen wir uns die Markierung der gelben
Pfähle, die uns zum Aufstieg führen sollen verlassen und eine Abkürzung über einen
Ausläufer des Berges zu nehmen.
14:00 Uhr - An einem Felsen, der aussieht wie ein Troll, der uns den Rücken zudreht
machen wir eine Pause. Das hat vor allen Dingen damit zu tun, dass es regnet wie
blöd.

15:00 Uhr - Scheiß Herdubreiud! Unsere erste Feldflasche ist komplett leer und
selbst wenn wir sofort umkehren liegen noch ca. 4 Stunden Weg vor uns.
15:20 Uhr - Heiner wird von der mangelnden Kondition besiegt, bei Andi siegt der
Verstand über die Abenteuerlust und wir entschließen uns zur Umkehr. Beim Rückweg
halten wir uns an die gelben Pfähle uns stellen fest, dass das mit der Abkürzung
wohl keine so gute Idee war :-).
18:00 Uhr - Ankunft auf dem Zeltplatz auf dem Idafeld. Wir trinken literweise Wasser
21:00 Uhr - Ein paar Isen laden uns zum plaudern zu sich an den Tisch ein. Von ihnen
erfahren wir, dass am Vortag die erste Gruppe in diesem Jahr den Herdubreid bezwungen
hat. Was hatten die, was wir nicht hatten? Eispickel und Steigeisen. Wir fühlen
uns nicht mehr so schlecht, dass wir es nicht geschafft haben. Die Isen laden uns
noch auf einen Whiskey ein und fragen uns, ob die Lieder aus der bündischen Oper
Färöesische Folklore sind.
Zahl des Tages: 1,5 Liter Wasser
Tag 6, 16. Juli (Herdubreid - Rykjalid/Mývatn)
10:00 Uhr - Aufstehen, frühstücken, dann halten wir uns noch eine ganze Weile im
Zelt auf, da es draußen eisig kalt ist und regnet.
13:00 Uhr - Wir bauen das Zelt ab. Um uns schwirren 100.000 Fliegen, sie fliegen
uns in Nase, Augen und Ohren. Zum Glück stechen sie nicht. Aber was wollen sie dann
eigentlich von uns? Andi findet bei sich in der Kampftasche ein Mückennetz.
17:00 Uhr - Der Bus ist da, es ist der Bus einer Reisegruppe. Da es von der Missetäterwüste
nichts besonderes zu erzählen gibt, erzählt die Reiseleiterin ein isisches Märchen
über die verschwundene Kuh Búkolla. Wir lauschen aufmerksam, da Andi das Märchen
vielleicht mal auf dem Bundeslager (direkt nach der Island-Fahrt) erzählen will.
19:15 Uhr - Zurück in Reykjalid essen wir wieder die guten Pommes und trinken dazu
richtiges Bier. Nach dem Essen schreiben wir insgesamt 13 Postkarten. Außerdem kaufen
wir eine neue Island-Karte für 1135 IKR (=15 €)
22:50 Uhr - Wir starten zu Fuß zur Quelle "Grotagia", welche in der Nähe von Reykjalid
gelegen ist. Eine halbe Stunde später erreichen wir sie. Sie liegt unterirdisch
und ist leider zu heiss und steinig zum Baden. Aber mit dem Wasserdampf sieht es
in der Höhle wirklich groovy aus.
00:00 Uhr - Wir gehen wieder zum Zeltplatz im Sumpf, an dem wir am dritten Tag waren.
Dort singen wir alle Lieder der bündischen Oper auswendig durch und gehen dann schlafen.
Zahl des Tages: 1135 IKR für die Landkarte
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